Association
Dominic Fiel, Executive Director of the Plastic is Fantastic Association
Mitglieder im Dialog: Dominic Fiel, Board Member & Executive Director bei Plastic is Fantastic

„Fasziniert von der enormen Innovationskraft“

17.09.2026

Dominic Fiel räumt im zweiten Teil des yes or no-Interviews mit dem größten Irrtum der aktuellen Debatte auf. Der Executive Director der PiFA beleuchtet das Potenzial des Werkstoffs und dessen entscheidende Rolle für unsere Zukunft. Mit dem Blick auf den gesamten Lebenszyklus des Materials zeigt er auf, wo die echten Nachhaltigkeitschancen in der modernen Zivilisation liegen.

 

Das Material: Was man über Kunststoff sagen sollte

Was wird in der öffentlichen Diskussion über Kunststoff heute oft falsch verstanden?

Oft wird Kunststoff mit Abfall gleichgesetzt. Das greift viel zu kurz. Er ist zunächst ein leichtes, vielseitiges und ressourcenschonendes Material. Abfall entsteht erst am Ende des Produktlebenszyklus, wenn Sammlung und Recycling nicht funktionieren. Diese Unterscheidung ist entscheidend: In der Medizin schützt er Leben, im Automobilbau spart er Gewicht und in der Lebensmittelversorgung verhindert er Verschwendung.

Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Chancen von Kunststoff für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung?

Die größten Hebel liegen in der Materialeffizienz und der Kreislauffähigkeit. Kunststoff ermöglicht extrem leichte Verpackungen und senkt Transportemissionen. Bei Elektrofahrzeugen sichert er die Batterietechnologie sowie das Wärmemanagement, während er im Gesundheitswesen sterile Versorgung im großen Maßstab garantiert. Wenn Produktdesign, Sammlung und Recycling zusammenspielen, ist er der ideale Werkstoff für eine nachhaltige Zukunft.

Welcher Aspekt moderner Kunststoffe fasziniert Sie persönlich am meisten?

Mich fasziniert die enorme Innovationskraft. Moderne Kunststoffe werden immer leistungsfähiger und funktionaler. Sie ermöglichen Lösungen, die mit anderen Materialien schwerer oder deutlich energieintensiver wären. Diese enorme Bandbreite vom Alltag bis zur Spitzen-Technologie macht ihn zu einem der vielseitigsten Werkstoffe unserer Zeit.

Wenn Sie auf die aktuelle Kunststoffdebatte blicken: Was wird daran oft unterschätzt?

Unterschätzt wird die Komplexität von Materialentscheidungen. Es reicht nicht, emotional zu urteilen. Man muss den gesamten Lebenszyklus betrachten, vom Rohstoffeinsatz über den Produktschutz bis zur Entsorgung. Ebenso wird übersehen, wie stark Kunststoffe unsere moderne Lebensqualität sichern.

 

Der Ausblick: Wie sich Sichtweisen verändern können

Welche Rolle wird Kunststoff in einer Gesellschaft spielen, in der Nachhaltigkeit, Ressourcennutzung und Materialbewusstsein neu bewertet werden?

Kunststoff wird eine zentrale Rolle behalten, aber die Anforderungen steigen. Er wird künftig noch intelligenter eingesetzt. Wir brauchen gerade in einer nachhaltigen Zukunft Materialien, die leicht, hygienisch, sicher, bezahlbar und kreislauffähig sind. Genau das leistet Kunststoff bei gezieltem Einsatz und echtem Mehrwert.

Was bestimmt, welche Sichtweisen auf Kunststoff sich in der öffentlichen Debatte durchsetzen?

Entscheidend sind Vertrauen, Transparenz und Verständlichkeit. Glaubwürdige Sichtweisen basieren auf nachvollziehbaren Fakten. Industrie und Wissenschaft müssen offen erklären, was funktioniert, wo Herausforderungen liegen und welche Lösungen bereitstehen. Wir müssen die positiven Beiträge sichtbar machen, ganz konkret anhand echter Praxisbeispiele aus unserem Alltag.

Kunststoff-Abfall wird zunehmend als wertvolle Ressource verstanden. Welchen Beitrag können die Branche und die PiFA leisten, um dieses Umdenken zu beschleunigen?

Die Branche muss beweisen, dass Kunststoff nach der Nutzung kein Abfall ist, sondern ein wertvoller Rohstoff für neue Produkte. Dafür braucht es kreislauffähiges Design, funktionierende Sammelsysteme und Investitionen in Wiederverwertung. Die PiFA beschleunigt dieses Umdenken, indem sie Best Practices teilt und den Dialog fördert. Kunststoff hat einen Wert vor, während und nach der Nutzung.

Was muss sich verändern, damit Kunststoff künftig stärker als Teil der Lösung wahrgenommen wird?

Wir müssen den realen Beitrag von Kunststoff zeigen und gleichzeitig ehrlich über Herausforderungen sprechen. Wer Kunststoff nur als Problem sieht, übersieht seine Schlüsselrolle für den Klimaschutz. Wenn wir die Kreislaufwirtschaft konsequent umsetzen und faktenbasierte Bildung stärken, wird das Material ganz automatisch als Teil der Lösung erkannt.

 

Das Interview führte Claudia Wörner, Geschäftsführerin der yes or no Media GmbH.

Forward article by email